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Was ist (k)ein Sensei - die Verantwortung eines Lehrmeisters

 

Wir bewegen uns hier im Bereich eines sehr komplexen Themas. Eines was sehr durchdrungen von persönlichen Erfahrungen jedes einzelnen Individuums ist und zugleich ethisch geprägt durch lange Traditionen in den Kriegskünsten und anderen spirituellen Szenen. Man könnte auch sagen es ist ein Thema, für das es wahrscheinlich keine einheitliche Antwort auf alles als Lösung gibt.

Allein die Beschäftigung mit diesem Komplex soll eine Orientierung bieten, frei von zu starker Wertung auf menschlicher Ebener aber als möglicher Leitpfaden, um für die Menschen zu denen wir eigentlich aufschauen, bessere Entscheidungen treffen zu können. Ich habe das („k“)- ein in Klammern geschrieben, weil ich beide Seiten gegenüberstellen möchte. Das Ganze ist mein eigenes und persönliches Urteil, unterstützt durch persönliche Erfahrungen und Erfahrungen anderer Menschen und dient lediglich der Gedankenanregung. Es dient der

Vorsorge und der persönlichen Entwicklung werdender Schüler. Es dient dem Schutz und der tieferen und schärferen Bewusstheit auf dem Weg eines Adepten.

 

Die Bedeutung des Wortes Sensei - Lehrer:

Die Szene der so genannten „Lehrer“ ist sehr durchwachsen. Ein Lehrer oder japanisch „Sensei“ zu werden, obliegt einer sehr großen Verantwortung, da wir anderen Menschen den Weg „weisen“- bzw. besser ausgedrückt ihn auf seinem Weg begleiten, sein persönliches Potential zu entfalten und zu einem veredelten, gewachsenen, natürlichen menschlichen Wesen zu reifen, der seine persönliche Botschaft erfüllt. Es geht dabei um die gesamte Entwicklung eines Lebenswegs eines Individuums. Und damit haben wir einen tiefen Einfluss auf das Leben eines Menschen, aufgrund eines sehr hohen Vertrauensverhältnis auf beide Seiten. Während der Suchende, der Schüler oder

Adept am Anfang noch weitaus mehr sucht bzw. weniger Erfahrungsmasse besitzt als der Lehrer, der auch immer auf seinem Weg ist und sein sollte, ist er natürlich wesentlich zugänglicher für eine umfassende, gesunde Entwicklung und dafür aber auch anfälliger für Missbrauch auf allen Ebenen. „Sensei“ bedeutet im japanischen auch einfach „der, der vorangeschritten ist“.

 

Das Thema „Lehrer und Schüler“ beschreibt hier tendenziell den Bereich der Kampfkunst, aber natürlich auch alle anderen spirituellen Szenen, beziehungsweise die Wege der Persönlichkeitsentwicklung. Es kann daher gut angepasst und übertragen werden.

 

Zu aller erst sollten wir uns einmal die mögliche tiefere Bedeutung und Aufgabe eines Lehrmeisters ansehen:

Natürlich ist er zuerst einmal ein Mensch, mit all seinen Fehlern und Stärken. Weder ist er ein Gott, noch ein „wieder auferstandener, Jesus“, noch jemand minderes als ein göttliches Wesen, welches, wie wir alle Erfahrungen hier als Mensch macht. Wenn möglicherweise auch Menschen mit speziellen Berufungen hier auf unserem Planeten. Jedoch ist er jemand, der zumeist einen sehr langen, harten und tiefen Prozess zu sich selbst hinter sich hat und diesen bewusst durchlebt hat. Dennoch hat er eine größere Verantwortung und hilft dabei, Leben zu entwickeln. Demnach sollte er in einer gesunden Basis sein und emotional zumindest klar und reflektiert sein. Eine

Graduierung macht einem nicht zu einem Lehrer! Sondern die Lebenserfahrung aus etwas gewachsen zu sein und es geschafft haben, eine meisterhaft menschliche, gesunde Basis darzulegen und diese auch täglich zu leben! Denn seine Schüler werden immer Kopien von ihm sein. Hier herrscht das Spiegel-Prinzip! Und wenn ich in manchen Foren dann lese, „wie der Schüler sich zu verhalten hat und dass wir nicht dafür da sind, den Schüler zu erziehen oder zu heilen“, dann frage ich mich ganz nach Huhn und Ei, wo wir hier eigentlich anfangen müssen?

Denn wenn ein Lehrer ausgeglichen ist und ein bestimmtes Energiefeld um sich aufgebaut hat, wird er auch nur bestimmte Leute anziehen. Nämlich die, die zu seinem Energiefeld in Resonanz gehen und dazu passen. Sensei zu werden, ist ein Geschenk! Kein Schüler, kein Lehrer! Und einer meiner Lehrer sagte einmal, „der Lehrer schuldet dem Schüler seine Anwesenheit“. Zugleich ist es eine große

Verantwortung!

 

Die Begegnung:

Es gibt hierbei zwei Wege, wie Lehrer und Schüler sich begegnen können, in der Regel sagt man, entweder der Schüler sucht den Lehrer aus oder der Lehrer wird aufmerksam auf den Schüler. Wie auch immer sie Übereinkommen, kommt eine echte Lehrer-Schüler Beziehung

zustande, ist sie eines der intimsten Beziehungen, die man sich vorstellen kann.

Es gibt ein japanisches Sprichwort:

 

die Verbindung von Kindern und Eltern überdauert eine Generation, die Verbindung von

Liebenden zwei Generation und die Verbindung zwischen Lehrer und Schüler überdauert mehr als

drei Generationen“.

(Quelle: generell bekannt/ Vgl. Hino, 2008)

 

Intim bedeutet hier, dass nicht nur der Schüler sich in all seinen Schwächen offenbart, sondern auch der Lehrer auf eine gewisse Art, was viel Vertrauen voraussetzt. Das Ganze natürlich in einem bestimmten Maß. Denn der Lehrer gibt auch sein ganzes Leben an den Schüler weite. Hier muss man auch erst mal klar unterscheiden, ob man eher ein Trainer-Verhältnis hat (z.B. normales Training), ein Lehrer-Verhältnis hat (z.B. Coaching) oder ein Eins-zu-Eins persönliches Mentorenverhältnis (komplett Lebensübergreifend). In früheren

Zeiten lebte der Schüler bei letzteren auch bei dem Lehrer und verrichteten verschiedene Arbeiten.

In dem Buch „Kokoro no katachi“ wird über die tiefe Verbindung zweier Großmeister (Soke) als Lehrer und Schüler geschrieben. Es ist die Geschichte von unseren Linienhaltern Hatsumi Soke und Takamatsu Soke. Sehr zu empfehlen. Sinngemäß wieder gegeben sollten verschiedene hochrangige Lehrer beschreiben, wie sie die Beziehung zu Hatusmi Sensei fühlen, sie antworteten: wie mein Vater oder wichtiger als mein Vater.

(Vgl. Hino, 2008, Kokoro no katachi)


Der Begriff „Lehrer“ – wird hier übergreifend für alle Richtungen verwendet.

 

Die Verantwortung:

aus meiner Sicht bedeutet Lehrer sein, aber vor allem Verantwortung für sich selbst zu übernehmen. Was ich damit meine, werde ich im folgenden erklären, denn es gibt immer noch genug Fälle, wo Schüler missbraucht werden, körperlich und emotional und finanziell ausgebeutet werden, um die Löcher des Lehrers zu stopfen! Wenn der Mensch den Schüler missbraucht, um seine eigenen Schwächen zu kaschieren und sein Ego zu putzen, sollte er nochmal reflektieren was Lehrer sein bedeutet. Krieger zu sein bedeutet in erster Linie erst mal mit seinen eigenen Gefühlen und Emotionen in Kontakt zu gehen und damit umgehen zu können, sie zu reflektieren und zu

kanalisieren, eher als Fähigkeiten für das „Schlachtfeld“ und den Kampf zu besitzen. Der Weg des Kriegers, sowohl spirituell, mental als auch körperlich liegt in der täglichen, ständigen Auseinandersetzung mit dem eigenen Selbst, dessen Entwicklung und Veredelung, mit der Integration und Balancierung aller hellen und dunklen Anteile, zu einem vollständigen, gesunden menschlichen Wesen. Als Lehrer sollte „der der voran gegangen ist“ zumindest die größten Anteile davon in ständiger Auseinandersetzung zu einem vorbildlichen und stabilen Punkt integriert haben, damit seine Anhänger ihm gesund folgen können.

Inzwischen gibt es viele Berichte darüber, dass besonders Frauen, aber auch Schüler im allgemeinen missbraucht werden, weil der „ach so hoch spirituelle Meister“ sein (oft aufgesetztes oder halb echtes oder unehrliches) Energiefeld ausnutzt. Das geht hin bis zu körperlichen und sexuellen Missbrauch und die volle mentale Zerstörung von Menschen. Natürlich, obliegt es auch dem Schüler eine gewisse Verantwortung zu übernehmen und um besser auf Signale achten zu können, möchte ich klarstellen, woran wir erkennen können, dass wir dringend überdenken sollten, wann es gefährlich unauthentisch wird und was ein Lehrer womöglich nicht ist und werde dies bewusst kritisch betrachten und härter betonen, einfach um zum Reflektieren anzurütteln.

 

 

Was eine Lehrer NICHT ist:

  • Wenn es um den Lehrer geht, anstatt um den Schüler! Manche besonderen Helfer sehen sich gerne als auserwählt und im Zentrum stehend: wenn jemand der in einer Tour von sich selber redet und überzeugt ist aufgrund eigener Fähigkeiten, Urkunden oder irgendwelche Vorleben ist das der erste Punkt, wo ich stutzig wäre! Einige Menschen bereichern sich energetisch durchaus selber, in dem sie sich selbst in den Mittelpunkt bringen. Dabei sollten wir eines nicht vergessen: es geht hier nicht um den Lehrer, sondern zu erst mal um den Schüler!
  • Wenn ein Lehrer seine Sucht nicht im Griff hat und trinkt, massiv raucht oder andere Drogen/Substanzen nutzt, um seine eigenen Schmerzen zu überspielen und seine Löcher destruktiv kurzzeitig zu stopfen ist er kein Lehrer! Vor kurzem sagte mir eine Person aus der Kampfkunst, „Substanzen jeglicher Arten haben nichts im Training verloren“. Egal welche Form der Abhängigkeit und besonders häufig treffen wir das Problem mit Alkohol, wenn sich jemand Lehrer nennt und von etwas abhängig ist, sollte er seine Ausbildung noch mal von vorne machen. Das bedeutet, dass er selber mit sich ein Problem hat. Wenn Substanzen einmalig in verschiedenen Ritualen genutzt werden, kann das als etwas erweiterndes betrachtet werden. Hier ist aber äußere Vorsicht geboten und der Lehrer sollte absolut stabil sein, damit er auch unterstützen kann und wissen was er tut. Aber sobald ich etwas jeden Tag konsumiere, ist ein Suchtverhalten vorhanden und dementsprechend kann der Geist nicht mehr klar sein. Ein solcher Mensch braucht erstmal selber eine Therapie! Unbeachtet dessen, dass in den alten Traditionen wohl nur die Ältesten nach der Jahrelangen harten Praxis diese zusätzlichen Verstärker nutzen. Noch dazu ist es überhaupt nicht notwendig um „ins feeling“ zu gehen und eher fraglich wenn man sie „braucht“, sondern wenn überhaupt eine Erfahrung die sehr bewusst eingesetzt werden sollte, wenn man sie denn einsetzen möchte.
  • Finanzielle Ausbeute: dass ein Lehrer wertgeschätzt wird und vernünftig dafür bezahlt wird ist hier keine Diskussion, aber wenn der Lehrer sein Lebensunterhalt durch seinen Schüler finanziert, weil er selbst nicht schafft und sich alle Rechnungen bezahlen lässt und nicht anderweitig für sich sorgt ist er kein Lehrer! Wir alle können mal in schwierige Situationen gelangen, und es ist keine Frage, das man dann seinen Mentor unterstützt. Aber wenn man bewusst nicht arbeiten will oder irgendwas dafür tun möchte, das es besser wird, obliegt es nicht dem Schüler dieses Loch zu stopfen! (Zum Vergleich: alle unsere Lehrer und Meister in Japan arbeiten neben dem, was sie Unterrichten und jeder erfolgreiche Coach hat verschiedene Jobs gemacht). Es gibt nicht, „ich unterrichte, und dafür hab ich verdient, dass du alles bezahlst“! Also Vorsicht hier, dass alles in einem klar abgesprochenen und machbaren Rahmen bleibt! Selbst der Sensei von unserem Großmeister hat nebenbei im eigenen Restaurant gearbeitet. Noch dazu sollte Geld nicht an Emotionen gekoppelt sein, um den Schüler darüber zu kontrollieren.
  • Verlässlichkeit: wenn ein Lehrer permanent ambivalent ist, heute so und morgen so und das mit seiner Tradition entschuldigt, ist auch hier besonders Vorsicht geboten. Und hier kommen wir in ein sehr nebligen Bereich, denn natürlich ist für eine gewisse Entwicklung des Schülers das Arbeiten der Gegensätze wichtig. So wie das Arbeiten im kreativen Bereich und Denkansätze zu geben, zum Teil auch, wo der Schüler selbst drauf kommen muss. Rätsel lösen regt das selbst Denken an und so weiter. Wenn die Persönlichkeit ansonsten stabil ist und Vertrauen da ist, ist das auch kein Problem. Nach meiner Meinung sollten diese Dinge niemals über das Grundvertrauen eines Schülers hinweg gehen. Zu sprunghaftes Verhalten ist weder gesund noch förderlich. Darum hier unbedingt auf eine Verhältnismäßigkeit achten. Wenn jemand sagt, „das ist Yin (In) und Yang (Yo) und es gibt kein richtig und falsch“, lässt das großen Raum für Missbrauch! Wenn man sich in solchen Gefilden bewegt, was wir gerne auch als „Crazy-Wisdom“ bezeichnen können, erfordert das unbedingte Stabilität auf der anderen Seite und sollte niemals in zu stark persönliche Bereiche über schwappen. Hier sind klare Regeln besonders wichtig, denn das ist das was von „Gurus“ gerne ausgenutzt wird! „Die Verwirrung des Schülers“. Bis dahin, dass „Lehrer“ sich darüber gefreut haben, wenn die Schüler hinterher „voll im space“ waren, ohne jegliche Ahnung wo Oben und Unten ist. Besonders, wenn sie dann schon eine gewisse Entwicklung haben. Hier darf ganz klar das Ego nicht im Weg stehen, um sich energetisch mit der Unvollkommenheit des werdenden Schülers vampirisch zu nähren. Eine gute Absicht und gesunde Balance, Erdung, Stabilität und Reflexion sind absolut notwendig!
  •  Übergriffe: hier sind Übergriffe jeglicher Art gemeint! Und was besonders Frauen angeht, sexuelle Übergriffe. Natürlich kann das auch andersrum mit Männern passieren, ohne Frage. Ganz häufig geschehen diese subtil und manipulativ und zwischen bekannten Personen und sind „selbstverständlich“ mit eingeschlossen und beruhen oft nicht mal auf körperlicher Gewalt. Dass der Lehrer sich körperlich im Griff hat, besonders natürlich im Training, wenn wir mit hochgefährlichen Sachen arbeiten, ist oberste Priorität. Und leider habe ich auch das oft nicht erlebt. Und das Andere ist noch mal ein großes Thema für sich. Hier möchte ich gerne einmal einen meiner daoistischen Lehrer zitieren, der einmal sagte: „in dem Moment, wo ich jemals etwas mit einer Schülerin anfangen sollte, ist sie nicht mehr meine Schülerin!“ Damit meinte er in dem Moment, wo eine sexuelle Komponente dazu kommt, ist es keine Lehrer-Schüler-Beziehung mehr, denn auf dieser Ebene herrscht absolute Gleichberechtigung! Jemand, der beides fordert hat ein massives Problem mit sich selbst!! Beziehungsweise beginnt hier der Missbrauch, denn zwischen Meister und Schüler herrscht logischer Weise immer ein natürliches Machtgefälle, damit einer den Anderen anleiten kann, was auf sexueller Ebene überhaupt nicht geht, abgesehen von dem natürlich, dass beide Personen es erst mal wollen müssen, und das bedeutet auch, dass eine oftmals mentale Manipulation dazu ausgeschlossen sein muss. Fazit: dass ist also ein ganz anderes Thema und gehört nicht in eine Lehrer-Schüler-Beziehung! Sollte irgendwas der Art passieren, ist diese Person kein Lehrer! Wie mir zu Ohren gekommen ist, gibt es in einigen Buddhistischen Traditionen sogar ein Verbot des Lehrer-Schüler-Settings, wenn beide eine sexuelle Komponenten antreten. Etwas was zum Schutz, besonders des Schülers aufgrund des Machtgefälles, sehr zu begrüßen ist! Man sagt, in früheren Traditionen kam es auch vor, dass sich Leute auf die Art der Energie eines anderen Menschen bedient haben. Und das ist bei einem Ungleichgewicht immer so! Also Vorsicht! Auch da darf jeder für sich selbst reflektieren, inwieweit ein Mensch als Lehrer stabil ist, wenn er einen Menschen nach dem anderen „konsumiert“ und sich dadurch auch noch aufwertet. Das ist ein No-Go Gesetz. Hatsumi Sensei schreibt nicht umsonst im „Ninpo Wisdom for life“, dass ein Ninja die drei Gifte kontrollieren sollte (Frauen, Geld, Alkohol). Oder anders ausgedrückt spricht es für sehr unbewusstes Verhalten der untersten Ebene und völliger Unreifheit auf die Art Chaos zu verursachen. Jemand der hoch entwickelt ist geht mit diesen Themen sehr bewusst und sensibel um. Und er weis auch, das Sexualität ohne Intimität und losgelöst von tiefer menschlicher Liebe und der Verbindung zur Herzensebene (besonders auch für Männer), nicht dem gesunden spirituellen Weg entspricht und energetisch sehr schädlich ist. Er ist sich dem energetischem Netzwerk bewusst was er kreiert und wie er es zerstört, genauso wie dem geschenktem Vertrauen was er zerstört. Er versteht die Kaskade jeglichem Chaos dieser Art und das die Ebenen geändert werden müssen, was eine Lehrer-Schüler Beziehung nicht hergeben kann. Sie ist eine andere Art der Intimität und Liebe. Nicht zuletzt sollte dieses Thema auf Respekt zweier Menschen fußen, die eine tiefe Verbindung eingehen. Leider kommen diese Missbräuche immer wieder vor und zerstören Menschenleben, daher habe ich dieses Thema mit sehr offenen Augen angesprochen.
  • Wenn „Mister Meister“ mit ach so magischen Praktiken kommt und nicht wirklich raus rücken will, ist auch hier Vorsicht geboten: denn dass, was viele als Magie bezeichnen, obliegt einem generellen Prinzip und kann normalerweise in einfachen Worten erklärt werden. Wenn er sich also permanent über etwas stellt und oder mit Wissen nicht wirklich raus rücken will, ist das häufig nichts weiter als ein Machtspiel. Natürlich können bestimmte Dinge erst dann vermittelt werden, wenn der Schüler auch soweit ist. Aber das ist ein Unterschied. Ein weiser Begleiter wird behutsam damit umgehen und dann stückchenweise vorgehen. Wenn der Lehrer aber auch nach langer Zeit und Bemühen des Schülers mit irgendwas nicht rausrücken will oder nicht klar kommuniziert falls er irgendwas nicht weis, hat es in erster Linie etwas mit seinem eigenen Ego und Ängsten zu tun, als auch sehr viel mit Kontrolle. Sicherlich bedarf es eine gewisse Portion Vertrauen und auch Zeit miteinenander an tiefere Sachen zu gehen. Aber ein Lehrer der nicht bereit ist „raus zu geben“, macht den Schüler von sich abhängig und nicht frei von sich und das sollte immer an erster Stelle stehen.
  • Ausnutzen der Tradition um seine Fehler zu entschuldigen:  wenn jemand seine Fehler permanent mit dem, „ach, dass ist ja so inunserer Linie“ direkt oder indirekt entschuldigt, weil er nicht an seinen eigenen menschlichen Fehlern arbeiten möchte, ist es kein Lehrer! Und das betrifft alle besprochenen Ebenen! Tradition, Religion, Linie, Philosophie und Richtung ist immer auch Auslegungssache, daher sollte der Schüler jeder Zeit so hineinwachsen, dass er für sich alles prüfen kann, statt blind zu folgen. Niemals sollte eine Tradition aber dafür verwendet werden eigene Muster und einen schlechten Umgang mit anderen Menschen zu kaschieren.
  • Ein Schüler ist nicht der Kummerkasten für den Lehrer! Wenn man mal ein Problem hat oder über irgendetwas reden möchte, so ist das was anderes, wenn aber permanent Probleme auf den Schüler gewälzt werden und er sich um irgendetwas kümmern soll, wird hier Verantwortung abgegeben!
  •  Die Grenzen des Schülers nicht wahren! Dass wir alle an unsere Grenzen gebracht werden müssen, ist eine Sache, und das fördert Wachstum, aber alles zu entschuldigen mit „breche die Grenzen in deinem Geist“, ist nicht nur ungesund sondern auch missbräuchlich und übergriffig und schafft auch Raum für solches! Ein Lehrer kann an die Grenzen seiner Schülers gehen, wenn er die Grenzen des Schülers ganz genau kennt, respektiert und weiß, was er tut. Wenn er Verantwortung übernimmt und ihn dann aber auch auffängt! Auch gibt es einige Scherzkekse, die dann den Schüler in den „Space“ schmeißen und sich dann verkrümeln. Das kann nicht nur ziemlich nach hinten los gehen kann, sondern auch zu massiven Problemen wie Psychosen oder anderen Sachen führen. Noch dazu wird das Yin-Yang-Prinzip oft völlig verdreht und ausgenutzt, indem es aber sehr wohl Grenzen gibt, weil beides sonst nicht existieren würde! Es geht um ein dynamisches Gleichgewicht.
  • Spielerein mit dem Schüler: jegliche Art zu kontrollieren, zu verwirren, zu spielen oder zu testen, sei es in verbalen Ausbrüchen, Unehrlichkeiten oder Manipulationen sind immer Ausdruck von Missbrauch. Es gibt Wege die Motivation des Schülers auszuloten auf respektvolle Art, auch im Militär werden Menschen normalerweise nicht zerstört, sondern an Grenzen gebracht und reguliert. Alles in begrenzten Rahmen und nicht 24/7 „Dauer-Fight and Fly“ wie der Leherr gerade will. Oft stecken hinter solchen Verhalten Ängste und Kompensationen. Denn hinter Kontrolle, was nicht zu kontrollieren ist, steckt immer Angst!
  • Nicht annehmen können: oft scheitert es nicht am Ego des Schülers, sondern am Ego des Meisters! Erstmal sind wir alle Menschen und jeder hat Baustellen, problematisch wird es erst wenn man, besonders als Lehrer, so viele Abwehrmechanismen hat, dass er nicht bereit ist Dinge zu verändern und statt dessen dem Schüler zuschiebt, er diskutiere und folge nicht der Ansage. Wenn eine lehrende Person nicht mehr offen ist sich sein Verhalten anzuschauen, Kritik anzunehmen, offen für neues zu sein und ggf. auch generelle und therapeutische Hilfe in Anspruch zu nehmen, seinen Schülern auch zu zuhören ohne alles kontrollieren zu müssen und selbst nicht von sich weg kommt ist schlicht kein gemeinsamer Aufbau möglich. Es gibt immer viele ach so „tolle“ Krieger, die die Kriegskunst auf einem hohen Level beherrschen und vielleicht auch Erfahrungen auf dem Schlachtfeld oder der Realität haben, aber keinen Zugang zu ihren eigenen inneren Selbst und Gefühlen haben, Angst vor ihren Emotionen haben und den Schmerz mit Sucht, Ego oder anderen Mitteln kompensieren. Ein Krieger ist nicht Derjenige der im Kampf nur überlebt, sondern jemand der sich seinen tiefsten inneren Schmerz stellen kann.

 

 

Zu den Kriegskünsten und Tipps zur Orientierung:

Ich möchte an dieser Stelle nochmal anmerken, dass es hier nicht zu Missverständnissen kommt: wenn wir hier von Kriegskünsten und Persönlichkeitsentwicklung reden, ist es natürlich klar und aus meiner Sicht sogar Notwendig, dass Schattenarbeit dazu gehört. Das setzt für mich aber die Verantwortung des Lehrers voraus. Das geht auch mehr in Eins-zu-Eins Konstellationen und braucht gereifte Menschenkenntnis und Zeit mit dem Schüler. Denn auch sogenanntes Testen, kommt meines Erachtens nach nicht nur durch den Lehrer, sondern automatisch durch das Leben. Und selbst wenn wir ins Militär und zu den Spezialeinheiten schauen, sehen wir immer ein

System und normalerweise eine Verantwortung der Leitenden dahinter und einen Rahmen mit Regeln und Grenzen, bei aller brutalen Härte.

 

Wenn man diese Sachen so liest, würde man denken: wow das sind eigentlich Basiselemente, die klar sein sollten. Die Realität sieht aber oft leider anders aus. Und nicht selten haben diese Menschen eine spezielle Aura, weswegen man auch vorsichtig sein muss. Man sollte immer beide Ebenen im Blick haben, Die Gefühlsmäßige und die Rationale. Und auch das überprüfbare Gefühl haben im Prozess voran zu kommen. Natürlich müssen wir als Lehrer beide Seiten im Leben vermitteln und die Person aufs Leben weiter vorbereiten. In den Kriegskünsten konnte das sehr hart sein und wird es immer sein. Aber es sollte alles in einem Gleichgewicht sein und der Schüler sollte sich immer dabei fragen, wohin möchte ich gehen? Der Schüler muss entscheiden wie weit er den Weg gehen möchte. Denn jemanden die Realität zu vermitteln, kann sehr fordernd und mit unter sehr schmerzhaft sein. Umso mehr ist es wichtig, einen Lehrer bei sich zu haben, der stabil ist.

Leider habe ich von Menschen nicht nur Missbrauchserfahrungen gesehen, sondern auch, dass Lehrer ihre Schüler soweit treiben können ihr eigenes Leben zu beenden und ihre Macht missbrauchen ohne sich an die eigene narzisstische Nase zu fassen!

 

Manchmal kann es schwer sein, besonders in übergeordneten Settings wie Militär, Kriegskünste, spirituelle Szene etc.. zu sehen wo es schwierig wird.

Mein Vater sagte mir einmal:

der Missbrauch beginnt da, wo der Respekt vor der Person aufhört“!

 

Am Ende können wir von allen Erfahrungen etwas lernen, und oft machen sie uns stärker, aber es gibt auch Dinge, die müssen einfach nicht sein. Ein Lehrer kann ein Wegbegleiter sein. Jemand, der einen mit unterstützt, seinen eigenen Weg zu finden und nicht den des Lehrers. Jemand, der da ist und anleitet. Jemand, der respektvoll auf die Bedürfnisse seine Schülers eingeht und zu hören kann. Jemand, der von sich selbst weg kommen kann und Raum bietet für die Entfaltung des Lernenden. Es ist jemand, der so hell strahlt, weil er

sein eigenes Licht gefunden hat, dass der Schüler begeistert diesem Weg folgt. Und eine Lehrer-Schüler-Beziehung sollte immer auf Respekt und Wertschätzung gebaut sein, auf Ehrlichkeit und auf Vertrauen. Ein echter Lehrer wird kein Problem haben, wenn der Schüler ankommt und ihn bittet zu reflektieren, wenn es ihm mit etwas nicht gut geht!

 

Hatsumi Sensei sagte in mehreren Interviews und Büchern, dass Takamatsu Sensei sich bei ihm als sein Lehrer entschuldigte, wenn er als Schüler einen Fehler machte…“ich habe es dir falsch beigebracht, es ist mein Fehler...“. Einem echten Lehrer ist das Vertrauen seiner Schüler auch wichtig und natürlich muss er auch in der Lage sein, den Schülern seinen eigenen Prozess zu schicken unabhängig von seinen eigenen Dingen. Er wird daraufhin arbeiten, dass der Schüler ihn irgendwann nicht mehr braucht und ihn nicht von sich abhängig machen. Ein echter Lehrer wird für seine Schüler immer da sein und an seine Schwächen jeden Tag arbeiten. Und in unserer Linie sollte er die Fähigkeit des Heilens, wie der Kriegskunst gleichzeitig beherrschen.

 

Abschließend möchte ich auf unseren rituellen Test zum 5.Dan hinweisen, der sogenannte Sakki-Test, ist ein Test, in dem das tiefste Vertrauen zwischen beiden verbunden wird, und der Schüler beginnt danach tiefer zu lernen. Denn wenn der Schüler mit geschlossenen Augen traditionell vor dem Lehrer sitzt, mit dem Rücken, und der Lehrer dahinter steht mit einem scharfen Schwert und irgendwann schneidet, muss Vertrauen da sein, dann der Lehrer tut es nur wenn der Schüler 100 % bereit ist. Natürlich war auch für den Lehrer Vertrauen sehr wichtig dann ergibt er sein ganzes Leben der Person, was auch bedeutet, dass er sehr bewusst auch den Schüler aussucht. Leider gibt es auch hier genug Zwischenfälle und es sollte immer auf gegenseitigen Respekt fußen.

 

Aber wenn zwei Seelen sich finden und sich vielleicht schon kannten und sich auf diese tiefe Reise des gegenseitigen Wachstums ernsthaft einlassen, kann eine geniale Verbindung und vor allem geniales Wachstum entstehen! Betritt man heute in Japan, die Haupttrainingstätte, hat man das Gefühl Takamatsu Sensei, der Lehrer unseres Großmeisters, ist immer noch vor Ort, obwohl er längst gegangen ist. Sein

Energiefeld wurde aufrecht erhalten und die Lehre über viele weitere Generationen gesichert. Das ist, wenn eine Lehrer-Schüler Beziehung über das persönliche Wachstum hinaus reicht und die ganze Welt nährt und bereichert. Eine echte Legende.



Hinweis zum Buch: 

Kokoro no Katachi - das Wesen des Kokoro

Akiro Hino