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Reinigungsrituale der alten Wege - Shinto und Germanen

 

In allen alten Traditionen gab es Mittel und Wege auf allen Ebenen Reinigungsrituale zu vollziehen.

Eingebettet in täglichen Abläufen und Ritualen und Jahreskreisfesten, dienen diese immer einer Vorbereitung von Körper und Geist für tiefere Praxis, Anhaftungen zu lösen, sich zu schützen und Klarheit zu entwickeln.

 

Interessieren wir uns für tiefere, spirituelle Praktiken, ist eigentlich immer der erste Schritt für Sauberkeit auf allen Ebenen zu sorgen.

Ein gutes Beispiel ist und wir kennen es alle, wenn wir eine Stunde durch Berlin mit der Bahn fahren, dazu haben wir vielleicht einen langen Arbeitstag hinter uns und ungesund gegessen, sind völlig übermüdet und hatten vielleicht irgendeinen Streit. In dieser Stadt wird leider nicht besonders viel Wert auf energetische Sauberkeit gelegt, was häufig dazu fühlt, dass Menschen irgendwann aggressiv werden, weil eine völlige Überladung auf allen Sinnen passiert. Sei es, die Geräuschkulisse, die sichtbare Sauberkeit, die Gerüche und von der Luft ganz zu schweigen. Noch dazu viele menschliche Einflüsse aus verschiedenen Richtungen. Und gar nicht anzufangen, damit, dass nicht für Ab-Klimatisierung gesorgt wird. Wobei ich auch immer wieder von einigen Bereichen in Berlin positiv überrascht bin.

Ich erinnere mich, dass wenn ich in Tokyo bin, eine unheimliche Ruhe in den Zügen herrscht, abklimatisiert ist und an manchen Bahnsteigen sogar Vogelgezwitscher gespielt wird. Auch wird nicht telefoniert oder gegessen. Er möchte schon gerne neben einen frisch gebratenen Döner sitzen. Das führt dazu, dass, obwohl extrem viele Menschen dort sind, wie man sich immer wundert, viel mehr Ruhe herrscht, weil die Menschen ohnehin extrem überarbeitet sind, versucht man einen energetischen Ausgleich zu schaffen.

Wir können jetzt natürlich nicht ganz Berlin ändern, aber in erster Linie können wir bei uns selber anfangen und nur wenn wir uns selber in Harmonie bringen, können wir das auch mit der Gesellschaft tun. Den wir sind die Gesellschaft!

 

Seit Jahrtausenden werden dafür verschiedene Rituale praktiziert. Und ja auch bei uns, denn die Germanen nutzen zum Beispiel für mehr Klarheit die Rau-Nächte. Ab der Wintersonnenwende gab es genau zwölf Nächte, eine Zeit, in der wir innere Einkehr betreiben, reflektieren und jede Nacht unsere Träume notieren, wenn sie wichtig waren und Rituale praktizieren, wobei jeder Tag einen Monat repräsentiert im kommenden Jahr, auf den man sich vorbereitete. Noch dazu wird auf eine bestimmte Art sauber gemacht und dann die Arbeit niedergelegt, um die wilde Jagd nicht an sich zu ziehen (die Wilde-Jagd steht für den Göttervater, Wodan oder Odin und seiner Gemahlin Holder oder Frigg, beides Schamanengötter, welche zu der Zeit durch die Nächte ziehen, und so sagt man auch Seelen an sich reißen konnten). Deswegen war diese Zeit zur Einkehr, zur meditativen Ruhe, zur Reflexion und Vorbereitung auf das nächste Jahr gedacht und auch zur Reinigung, indem man zum Beispiel jeden Tag ausräuchert mit verschiedenen Kräutern.

Im Shintoistischen feiert man besonders am Neujahr die Reinigungszeremonie und macht mit der ganzen Familie sauber, geht dann zum Schrein, um die Götter um Segen zu fragen für das kommende Jahr.

 

Im Koshinto gibt es vier Ebenen zur Reinigung die angesprochen werden:

  • Reinigung mit Wasser - das geht auf das Reinigungsritual von dem Göttervater Izanagi zurück, aus dem die ganzen Kamis in Japan entstanden sind, nachdem er sich im Meer gewaschen hat. Es ist der Kern der japanischen Praktiken, sich regelmäßig zu waschen und mit Wasser Klarheit zu schaffen.
  • Reinigung durch bestimmte Materialien - in japanischen verwendet man eine Reihe von schamanischen Werkzeugen, zum Beispiel auch rund um den Schrein, um negative Anhaftungen dadurch fernzuhalten
  • Reinigung von unklaren Geistern - was so viel bedeutet, wie Austreibungen und lösen von negativen Energien.
  • Klarheit der Gedanken und im Geist - dazu gehört auf körperliche und nicht körperlicher Ebene den Geist zu entwickeln und auf ein hohes Bewusstsein zu bringen. Das können wir dann, wenn wir eine spezielle Ernährung haben, frei von Substanzen sind und energetische Reinigung betreiben.
(Vgl. The Essence of Shinto, 2006, Motohisa Yamakage)

Um ein paar wichtige Sachen für den Alltag zu nennen, können wir als Ninja oder im Koshinto oder Germanentum, oder wie sonst wir auch natürliche Menschen nennen wollen, folgendes praktizieren:

 

  1. Jeden Morgen mit kaltem Wasser abreiben oder duschen. Das hat nicht nur Pfarrer Kneipp empfohlen, sondern wird seit Jahrtausenden praktiziert. Und zwar überall. Bei den japanischen Bergmönchen ist es sogar üblich, über lange Zeit unter eisigen Wasserfällen zu stehen und zu Chanten. Je nachdem, wie lange es jeder kann und empfindlich ist, kann man mit dem rechte Fuß anfangen, der am weitesten vom Herzen entfernt ist und dann den Körper langsam hochgehen. Es gibt auch einige Unterschieden zwischen Männern und Frauen. Ich Chante dabei jeden Morgen ein Shintoistisches Gebet, um die Götter zu beten, alle Last und Dreck von mir zu nehmen. Das ist nicht nur fürs Immunsystem sehr gut und wichtig und die Durchblutung, sondern schafft auch Klarheit im Geist. Eine weitere Möglichkeit ist die Verwendung von Salz dazu. Einige Kollegen machen das gerne, um sich von Altlasten zu reinigen. Das habe ich oft im Klinikalltag beobachtet, wenn die heilenden Kollegen nach der Patientenarbeit duschen gehen.
  2. Die Umgebung aufräumen! In einem Militärbuch steht, dass der Krieger nicht auf dem Schlachtfeld anfängt, sondern damit sein Bett zu machen. Und so ist es. Auch wenn wir morgens beginnen, ist es wichtig, unsere Altlast zu entfernen und sauber zu machen, damit wir einen klaren Raum haben, denn unser Raum ist der Spiegel von uns selbst. Das ist ein alchimistisches Grundprinzip. Und somit wären auch unsere Gedanken und unser Geist klar für den Alltag und vor allen Dingen ruhig und gelassen anzugehen. Und es mindert schlechte Laune.
  3. Ausräuchern.: hierzu kann man auch Aromatherapie machen, mit verschiedenen Ölen in einem Verdampfer, Räucherstäbchen benutzen oder wie unsere Vorfahren hier auch gerne auf Kohlen räuchern. Dazu gibt es sehr viele verschiedene Kräuter. Bei uns war’s zum Beispiel Beifuß. Es kann aber auch Weihrauch verwendet werden oder etwas hart ist Salbei. Auch Harze werden sehr gerne verwendet. Erst vor kurzem habe ich von einem Druiden aus dem Harz, Kiefernharz zum Räuchern bekommen und es ist herrlich! Und sehr beliebt! Man kann dazu auch mit einer bestimmten Schwingung Worte Chanten.
  4. Seinen energetischen Hotspot klären: so nenne ich gerne einen kleinen Hausaltar - den Shintoistischen Schrein (Kamidana), das kann aber auch ein germanischer Schrein sein oder wie man es für sich einrichtet. Es repräsentiert die 5 Elemente und die Dreifaltigkeit von Körper, Geist und Seele und die Verbindung zur Quelle, eine Verbindung zum Höheren. Jeden Morgen spreche ich ein Gebet und darf einmal Energie auftanken mit Dankbarkeit aus der höheren Kraft. Ich bringe jeden Morgen frisches Wasser und auf ihm steht auch Salz. Die Alchimisten arbeiten sehr gerne mit Salz und so kann man dort nach bestimmten Sachen schauen, wie man Salz in einem Raum aufstellt, um negatives rauszuziehen. Man kann es alchemistisch veredeln und damit arbeiten, zum Beispiel für bestimmte Schutzrituale und energetische Prozesse. Das kann ziemlich umfassend sein von Salz in bestimmten Ecken, um negatives raus zu ziehen oder dem Herstellen von schwarzen Salz. Etwas einfaches auf dem Schrein macht es aber auch erstmal ;-).
  5. Frische Luft - so banal es klingt aber wie fühlen wir uns nach einem Waldbesuch? Jeder kennt diese starke klare Energie in Wäldern, Wasserfällen und Bergen. Nicht nur dass unser Geist klar wird, sondern es fühlt sich auch einmal wie alles ausgegekippt an, an Mutternatur abgegeben und transformiert. Jeder kann hier sein Ritual schaffen, wie er mag aber es ist essenziell regelmäßig mit der Natur in Verbindung zu sein und negative Ionen zu tanken. Ob nach meinem Tauchen am Okinawa Korallenriff oder in den kalten Bergsee in den Vogesen, ich fühlte mich wie neu geboren. Die Natur hat die Kraft alles zu heilen und zu ändern.
  6. Natürliche Nahrung - wir sollten vermeiden unnatürliche Nahrung zu uns zu nehmen und dass diese uns Kraft und Energie gibt und frei ist, von Giftstoffen und dem Leid verschiedener Lebewesen. Diese sollten gut gehalten werden und mit Respekt verzerrt werden. Das bedeutet auch in unserer Nahrung sollten wir auf Sauberkeit achten, weil wir zu dem werden, was wir essen.
  7. Gifte und psychoaktive Substanzen meiden - das ist ein Thema für sich, aber als erstes Mal sollte der Geist klar und frei von Anhänglichkeiten werden. Sucht macht unfrei und zieht viel Leid nach sich und noch dazu blockiert es jegliche menschliche und spirituelle Entwicklung. Es macht dich für deinen Feind extrem angreifbar. Das ist gefährlich für jeden Krieger und nicht akzeptabel!
  8. Energetische Reinigung - indem wir jeden Tag eine gewisse Praxis der Energetisierung, Meditation oder tieferen Versenkung haben. Da können wir zum Beispiel einen energetische Schutzschild aufstellen und Gedanken klären. Das hilft ungemein, wenn wir danach eine Fahrt durch Berlin vor uns haben und den anderen Menschen vielleicht auch noch, wenn sie dann nicht unsere Müll abkriegen. ;-)
  9. Ein klares Umfeld - wir sind der Durchschnitt aus den sechs Menschen, die uns umgeben. Dementsprechend sollten wir Weise darauf achten, ob Menschen uns gut tun oder nicht gut tun. Und wenn wir plötzlich feststellen, dass uns jemand nicht gut tut, müssen wir diese Person auch nicht vor dem Kopf treten. Denn das wiederum wirkt sich auch auf uns aus, und ist auch nicht gesund, sondern einfach versuchen, das in ein harmonisches Gleichgewicht zu bringen. Und damit ist auch nicht gemeint, ich brauche jetzt plötzlich Abstand von allen und niemanden mehr, um sich damit höher zu stellen, das ist lediglich Ego. Es geht darum, bewusst, mit den Menschen umzugehen, mit deren wir verkehren, gutes auszusähen und diese anzuziehen, die uns gut tun.
  10. Emotionale Reinigung - Emotionen sind häufig nichts weiter als Energien, die sich bewegen, diese entstehen durch Trauma durch Einflüsse von außen und von innen und anderen materiellen Dingen wie Substanzen etc.. ein Krieger stellt sich diesen Emotionen und läuft nicht vor sich selber weg. Er reflektiert und stellt sich seinen Ängsten und seiner Trauer. Und wenn es sein muss, auch mit Gesprächen anderer. Denn er weiß, wenn er dies nicht tut, kanalisiert sich das in Traurigkeit und das in Wut und das schädigt viele Menschen im außen und führt auch selber nicht zur Heilung. Es bedeutet, hier, Mittel und Wege zu finden, sich mit dem Thema auseinander zu setzen und da hat jeder seinen eigenen Weg. Das können Therapien sein und Gespräche, aber es ist auch wichtig im Alltag Rituale einzufügen, die für die Stabilität helfen. Denn ein instabiler Krieger, der emotional ist oder krank ist, ist der beste Gegner für den Feind.
  11. Tue etwas, was deiner Seele gut tut - das kann mit einem Tier sein. Es kann eine Unternehmung, ein Hobby sein, achte darauf, dass der Großteil deines Alltags dadurch bestimmt ist, dass das was du tust gerne tust, weil sonst entsteht ein Ungleichgewicht und daraus wieder Aggressivität. Und eins führt schließlich zum anderen. Nutze die Zeit, dein Potenzial auszuleben.

Es geht nicht darum, zum Krieger auf dem Schlachtfeld zu werden, sondern zum Krieger im Garten. Sanftmütig im Geist. Ruhig und ausgeglichen im Herzen. Der Krieger weiß, dass, wenn er in sich seine Mitte schafft, auch seine Umgebung sich transformieren wird.